Heimatverein Nussloch e.V.
Heimatverein Nussloch e.V.

Grußwort

Grußwort des 1. Vorsitzenden Klaus Wipfler

Der Heimatverein in der Gemeinde Nußloch darf im Jahre 2000 auf ein 50jähriges aktives Vereinsleben zurückblicken. Dieses Ereignis eines halben Jahrhunderts wirkt besonders, wird es in dem sogenannten Millennium-Jahr gefeiert, in dem die Technologie und die neue  Dienstleistung  eine stetige,  teilweise auch sprunghafte Entwicklung verzeichnet. Es taucht dabei unweigerlich die Frage auf, ob in der von Bytes und Megahertz  sowie von Merchandising beherrschten Zeitepoche überhaupt noch die Möglichkeit oder das Interesse besteht sich für die Brauchtumspflege und Heimatverbundenheit zu erwärmen.
Diese Frage kann ohne Wenn und Aber mit einem klaren Ja beantwortet werden. Dies wird durch das starke Interesse bzw. den Zulauf der Bevölkerung beispielhaft bei Sommertagsumzügen bzw. Martinsumzügen demonstriert. Dabei spielt die kostenfreie Abgabe der Hefebrezeln sicherlich keine Rolle. Vielmehr bieten solche Ereignisse immer wieder die Gelegenheit die schon von alters her gepflegten Brauchtümer zu bewahren, zu pflegen und zu fördern.
Selbstverständlich soll hinter dieser Aussage nicht nur das eine vermutet werden, dass alles Neuzeitliche nichts sei und nur das Altbewährte seinen berechtigten Stellenwert habe. Auch der Heimatverein steht dafür, dass Innovation in der Zukunft sein muss. Jedoch ist es von Bedeutung den Weg der Entwicklung auch unter dem Aspekt des Bewährten und des zu Bewahrenden zu betrachten.
Der Heimatverein hat in seiner bisherigen Vereinsgeschichte schon immer nach der Zielsetzung gewirkt und gehandelt, das Brauchtum und die Traditionen zu schützen und zu fördern zum Wohle der gesamten Nußlocher Bevölkerung. Dies spiegelt sich auch in der Koordinierung der Nußlocher Veranstaltungen im Einvernehmen mit sämtlichen Nußlocher Vereinen wider.
Die Aufgabe des Heimatvereins wird es auch in Zukunft sein, der Nußlocher Bevölkerung einen berechtigten und wohlverstandenen Stolz auf die Heimat, auf ihre Geschichte, auf ihre Landschaft und ihr Brauchtum zu vermitteln.
Ich möchte daher schon jetzt die gesamte Nußlocher Bevölkerung zu unseren Aktivitäten im Jubiläumsjahr recht herzlich einladen. Durch ihre Anwesenheit wird auch ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit zu den Idealen des Heimatvereins bekräftigt.

Klaus Wipfler
1. Vorsitzender


Bürgermeister Ernst Bauch

Liebe Freunde des Heimatvereins, meine sehr verehrten Damen und Herren,
gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung haben Ende der vierziger Jahre ortsansässige Gewerbetreibende, Handwerker und Geschäftsleute die Notwendigkeit der Gründung eines Heimat- und Verkehrsvereins gesehen. Im Gasthaus „Zur Krone“ haben sich am 27.3.1950 auf Einladung der Gemeindeverwaltung interessierte Bürgerinnen und Bürger zur Gründungsversammlung zusammengefunden.
Bürgermeister Hellmuth Frey wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der Verein hat entsprechend seiner Satzung die Aufgabe übernommen für den Fremdenverkehr zu werben, die Liebe zu unserer schöngelegenen Heimatgemeinde zu wecken, die weiteren Verschönerungen des Ortsbildes und der Gemeindefluren anzuregen sowie seinen Mitgliedern die Schönheiten der näheren und weiteren Umgebung durch Ausflüge und Vorträge zu vermitteln. Es ging vordergründig auch darum Handwerk und Gewerbe zu fördern. Die Belebung der Vereinstätigkeiten machte es unabdingbar, die örtlichen Veranstaltungen zu organisieren und jährlich im voraus festzulegen bzw. die Termine gegenseitig abzustimmen.  Der Heimatverein hat sich dieser Aufgabe bis zum heutigen Tag verschrieben. Er stellt  in Zusammenarbeit mit den gesamten Verantwortlichen der Vereine seit 1955 ununterbrochen den alljährlichen Veranstaltungskalender auf. Der Heimatverein zeigt sich auch verantwortlich für den Sommertags- und Martinsumzug, Mitwirkung beim Ferienprogramm der Gemeinde, Mitorganisation beim Fasnachtsumzug mit Preisverteilung, Einführung für Hobbyausstellungen handwerklicher und künstlerischer Art. Er bemüht sich auch um die Sammlung von antiquarischen Gegenständen für ein Heimatmuseum.
Alles in allem ein „Vollblut-Heimatverein“ für die Gemeinde. Dafür danke ich den alten und neuen Führungskräften des Heimtvereins für die beispielhaften Bemühungen um die Tradition und Heimatpflege für unser Nußloch.
Dem Jubilar spreche ich namens des Gemeinderates und der gesamten Gemeinde die Glückwünsche zu seinem 50-jährigen Jubiläum aus. Mein Vorschlag an die Aktiven : Macht weiter so zum Wohle unserer Bürgerschaft.

Ihr
Ernst Bauch
Bürgermeister


Landrat Dr. Jürgen Schütz zum 50jährigen Jubiläum des Heimatvereins Nußloch e.V.

Der Heimatverein Nußloch e.V. kann in dem nach der Jahreszahl besonderen Jahr 2000 auf 50 lebendige Jahre des Engagements zurückblicken. Gegründet 1950, also in einer Zeit des Wiederaufbaus unseres Staatswesens und der Eingliederung der Heimatvertriebenen, hat er seiner Satzung gemäß die Aufgabe übernommen, die Liebe zu Nußloch als Heimatgemeinde zu wecken, für die Verschönerung des Ortsbildes zu sorgen, Handwerk und Gewerbe zu fördern sowie für den Fremdenverkehr zu werben – kurz: zur Identitätsbildung der Bürgerinnen und Bürger, aber auch der Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung beizutragen. Heute, im Zeitalter der Globalisierung, ist dieser Ansatz noch immer aktuell. Denn nur dort, wo eine innere und äußere Übereinstimmung des Menschen mit sich und seiner Umwelt besteht, wo die Rahmenbedingungen stimmen, lassen sich wirtschaftliche Standorte optimieren, was letztlich wieder dem Arbeitsmarkt, damit dem Wohlstand der Bürger und dem örtlichen Umfeld dient.
Der strukturelle Wandel der vergangenen 50 Jahre hat auch in Nußloch gezeigt, dass Veränderung die einzig wirkliche Konstante darstellt. Trotzdem darf man die Wurzeln nicht vergessen. Denn ich glaube, dass wir manchmal irren, wenn wir über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nachdenken. Wir meinen, die Vergangenheit sei verstrichen, die Zukunft noch nicht geschehen, nur die Gegenwart existiere. Doch die Vergangenheit bleibt immer ein Teil von uns und eines wächst aus dem anderen. Deshalb gilt es Traditionen zu bewahren, neue zu begründen, so wie es der Heimatverein Nußloch getan hat. Ob Sommertagszug, Martinszug oder Kerwe, Maibaumstellen, Fasnachtsumzug und Einführung  der Hobbyausstellungen, er repräsentiert eine breite Palette – bis hin zur Sammlung von erhaltenswerten Gegenständen für ein Heimatmuseum und der Erstellung eines Heimatbuches. Und wenn etwas davon auch nur für zehn Minuten nachdenklich macht, dann erfüllt sich der Sinn der Arbeit.
So hat das Engagement des Heimatvereins bei aller Anstrengung doch Freude und Erfüllung gebracht und Nußloch sich, in guter Kombination von Kommunalverwaltung und ehrenamtlicher Tätigkeit, zu einer Gemeinde mit urbaner Geborgenheit, lebenswertem Umfeld und individuellem Charakter entwickelt.

Ich wünsche Ihnen, den Mitgliedern des Heimatvereins Nußloch e.V., dass Sie sich auch für die kommenden Jahre den Mut und die Fantasie bewahren, um einer pulsierenden Gemeinde voll Vielfalt und Schönheit im Spiegel gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen einen weiten Horizont zu geben.

Mit allen guten Wünschen
Ihr
Dr. Jürgen Schütz
Landrat

 

Die Nußlocher Kerwe

Vor dem Zweiten Weltkrieg war „das Fest des Jahres“ in  Nußloch die Kerwe. Im Mittelpunkt dieses Festes stand drei Tage lang der Kult um die Kerweschlumpel. Von den „Kerweborschte" – im Gehrock und Zylinder – wurde die Kerweschlumpel mit der Kutsche oder einem geschmückten Leiterwagen in Begleitung der Musikkapelle am Ortseingang abgeholt und auf direktem Weg zur Begrüßung durch den Bürgermeister und zur Kerweeröffnung vor das Rathaus gebracht. Nach einer Begrüßungszeremonie, verbunden mit einem kleinen Umtrunk, erfolgte ein Umzug durch die Ortsstraßen zum Stammlokal der Kerweborschte. Über die Festtage erhielt sie dort einen gut behüteten Stammplatz. Die Kerwe vollzog sich in den Gaststätten im Kreise der Stammtischbrüder, die sich zur Unterhaltung einiges einfallen ließen. Gut in Erinnerung ist dabei sicherlich noch den Älteren der sogenannte Ritt im und um das Gasthaus unter den Klängen des Kerweliedes in Form eines Reitermarsches. Dabei „ritten“ die Kerweborschte in ausgelassener Stimmung auf einem Stuhl in umgekehrter Sitzgewohnheit, wobei die Rückenlehne des Stuhles als Zügel diente, durch die Gaststätte oder auch über den Hinterausgang aus der Gaststätte, um über den Haupteingang wieder „hereinzureiten“.
Während des Zweiten Weltkrieges und nach Kriegsende hatte man andere Sorgen als Kerwe zu feiern. Nach der schrecklichen Zeit des Krieges und dem beginnenden Wiederaufbau brachte man wieder etwas mehr Zeit für das Gemeinwohl auf, damit erwachte auch der Sinn nach Vereinstätigkeit und der Wille den alten Kerwebrauch neu aufleben zu lassen.
Der Ruf die Kerwe wieder wie in alten Zeiten zu feiern wurde immer lauter. Ende Oktober eines jeden Jahres wurde die Kerwe wieder in alter Weise veranstaltet. Dabei spielte sich das gemütliche Beisammensein zur Kerwe hauptsächlich in den Vereinsgaststätten ab. Im Ortsmittelpunkt auf dem Lindenplatz wurde in Zusammenarbeit mit Schaustellern ein Vergnügungspark ausgewiesen, der mit Fahrgeschäften für Groß und Klein sowie den dazugehörigen Schießbuden, Los- und Süßwarenständen ausgestattet war. Wegen der geringen Nutzungsfläche beim Lindenplatz wurden in späteren Jahren bestimmte Fahrgeschäfte oder Schießbuden in die Nähe ausgelagert.
Um die Nußlocher Kerwe noch attraktiver zu präsentieren, aber auch wegen des nicht immer guten Kerwewetters verlegte man die Kerwe vom vierten Oktober-wochenende über das erste Oktoberwochenende in die wärmere Jahreszeit auf das zweite Wochenende des Monates September vor. Dies war eine gute und richtige Entscheidung.
Im Jahre 1973 wurde der Gedanke einer erweiterten Kerwe in die Tat umgesetzt. Durch die Vergrößerung des Rummelplatzes und durch die Mitwirkung der Vereine mit eigenen Ständen ergab sich eine gewollte abwechslungsreiche Angebotsvielfalt. Bürgermeister Feil lud über die RaRu zur Kerwe ein und wünschte der Einwohnerschaft und den Gästen für die Kerwetage viel Freude und Entspannung von den Sorgen des Alltags. Der Fanfarenzug des KCN eröffnete zusammen mit dem Bürgermeister und Herbert Böhm, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, die tollen drei Tage vor dem Portal des Rathauses. Am Sonntagvormittag sorgte dann der Musikverein „Feuerwehrkapelle“ für den nötigen Schwung. Natürlich blieb die Feier des Ortsfestes nicht auf den Rummelplatz beschränkt. Die Nußlocher Gastronomie lockte die Festbesucher mit einem breiten Angebot an kulinarischen Genüssen.
Die Kerweeröffnung zusammen mit der Kerweschlumpel wurde in den Folgejahren unter der Federführung des Heimatvereins vom Reiterverein, dem Motorsportclub, dem MGV „Sängereinheit“ und Dieter Degreif gestaltet. Weitere wichtige Impulse für die Entwicklung der Nußlocher Kerwe wurden durch Ernst Reidel im Jahre 1981 gegeben. Ernst Reidel war es, der zusammen mit den „Goldkehlchen“ mit Gitarre und frohen Liedern die Kerweschlumpel zum Rathaus brachte. Ein Nußlocher Prinz ( Ernst Reidel ), zusammen mit den vier noch vorhandenen Burgknappen von der Gückelsburg, erweckten „Amanda die Sanfte“ vor dem Rathaus durch einen Kuss von ihrem Dornröschenschlaf. In den beiden Folgejahren erschien „Amanda die Sanfte von der Gückelsburg“ unter der Obhut und Begleitung der KCN - Tanzgarde sowie der Nußlocher „Herzschrittmacher“ auf der Kerwe. Prinzessin Amanda hatte sich in den vergangenen Jahren so gut in das Nußlocher Kerwegeschehen eingearbeitet, dass sie gemeinsam mit dem neuen Bürgermeister Ernst Bauch die Vorbereitungen für die Kerwe 1986 traf. Angenehm überrascht war sie von dem Programm, das ihr BM Bauch vorlegte. Sie konnte gefahrlos dem persönlichen Fassbieranstich durch BM Bauch beiwohnen und danach unbehelligt ihren Thron im 1. OG des Rathauses besteigen.
Das 10jährige gute partnerschaftliche Verhältnis zu Andernos les Bains brachte anlässlich der Kerweeröffnung im Jahre 1987 die Vermählung von Amanda der Sanften mit Pierre Ordinaire .Unter Mitwirkung der Stadischde als Trauzeugen wurde die Trauungszeremonie vollzogen. Gemeinsam mit unseren französischen Freunden wurde die Vermählung mit einem rauschenden Fest gefeiert. Aufgrund ihres ausschweifenden Lebenswandels musste Amanda am Kerwemontag auf dem Alten Berg eingeäschert werden.
1988 präsentierten die  Stadischde eine neue Kerweschlumpel, „Ottilie, die Wilde von der Lichtenau“, die aber wieder am Kerwemontag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung nach einem Fackelzug zum Alten Berg auf dem Scheiterhaufen ihr Leben lassen musste. Der Alte Berg war auch Schauplatz der spektakulären Wiederkehr der Kerweschlumpel 1989 , landete doch „Adelgunde, Edle von der Nusshöhe“, mit dem Fallschirm. Organisiert wurde die Kerweeröffnung von einem Kerwekomitee des MGV 1867 Nußloch. Leider ließen einige ruchbare Buben den alten Brauch der Schlumpelentführung wieder aufleben und „klauten“ die Schlumpel aus dem Rathaus. Es nützte ihnen auch nichts, dass sie am Kerwemontag als reuige Sünder die Schlumpel zurückbrachten, sie wurden gnadenlos zum Kehren des Lindenplatzes und zur Organisation der nächsten Kerweeröffnung verurteilt. Also fungierten die Stadischde im Jahre 1990 wieder als Kerweborschte und waren Trauzeugen bei der Vermählung von Adelgunde, Edle von der Nusshöhe mit Marquis du Bassin  aus Andernos. Die Kerweschlumpel  war mit der Seilbahn im Steinbruch eingeschwebt.
In den Jahren 1991 und 1992  übernahmen die Mitglieder des Piratenschiffes M.S. „Riwwelkuh“ (Handballer der SG Nußloch)  zusammen mit ihrer „Tusnelda“ die Kerweeröffnung. 1993 wurde durch ein internationales Forscherteam – lauter Stadischde – zusammen mit der Steinzeitfrau „Nutzi“, der Frau von Ötzi – das Kerwegeschehen organisiert. Da seit der Wiedervereinigung zu den Gemeinden Freienhufen und Zwenkau ein freundschaftliches Verhältnis besteht, wurde das kulinarische Angebot in diesem Jahr mit Spezialitäten aus dem Spreewald erweitert.
Im Jahre 1994 wurde durch Baron von Stupfelberg, Herrscher aller Streuobstwiesen, - alias Horst Lächele - zusammen mit Dietlinde und dem Kerwepfarrer Wolfgang Schneider die Kerweeröffnung vorgenommen. In den Jahren 1995 bis 1998 wurde die Kerwe wiederum durch die Stadischde unter den Themen – Abgesandte des Olymp mit Kerweschlumpel „Olumpia „ vor der Olympiahalle , Umzug des Kreisaltersheims, Radrennstall Telegeh mit Schlumpel „Jana Ulrike“ am Etappenziel Olympiahalle und Fernseh-Talkmaster mit der Schlumpel „Verona Wiesengestrüpp, geschlagene von Bohlen“ -  eröffnet und damit aufgewertet.
1995 und 1997 fand die Kerweeröffnung wegen innerörtlicher Umbaumaßnahmen vor der Olympiahalle statt.
Im Jahre 1999 wurde durch die Kerwebolzer der „Durstigen Amigos“ die Kerweeröffnung in erfolgreicher Manier vorgenommen, obwohl erstmals während der Kerweeröffnung die Schlumpel entführt wurde und seitdem verschwunden ist.
Dennoch haben wir auch für die Zukunft die berechtigte Hoffnung, dass die Kerwe weiterhin ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt unter Fortführung der Tradition der Nußlocher Bevölkerung bleibt.
 

Es war einmal: Nußlochs ältestes Haus

Das ehemalige Fachwerkhaus der Familie Rensch in der Loppengasse 1 war das älteste vollständig erhaltene Gebäude in Nußloch. Es dürfte, wie die gleichlautende Jahreszahl über dem einst steinernen Türportal und dem Firstbalken ausgewiesen hatte, aus dem Jahre 1558 gestammt haben. Es überlebte somit die schlimmen Wirren des 30-jährigen Krieges, aber auch die "Pfälzischen Erbfolgekriege", bei denen unser Ort wie viele andere Orte der Kurpfalz auf Befehl von General Melac fast vollständig eingeäschert wurde. Wahrscheinlich wohnte hier ein Teil der Generalität, ähnlich wie in Leimen in der Residenz "Seligmann" (heute Rathaus) oder im "Freihof" in Wiesloch.
Das einst sehr große und stattliche Gebäude diente zu jener Zeit sicherlich der Ortsverwaltung, zumindest in Teilen. Hierfür sprechen die verhältnismäßig großen Räume, die erst in späteren Zeiten unterteilt wurden, wie anhand der weniger sorgfältig gemauerten Zwischenwände zu erkennen war.

Leider wurde dieses Gebäude 1968 abgerissen. Wir können heute nicht mehr in Einzelheiten nachweisen, ob der Grund für den Abriss das 1964 in unmittelbarer Nähe erbaute hochmoderne Rathaus war oder ob es vielleicht doch die hohen finanziellen Kosten für die Renovierung waren. Tatsache ist, dass mit dem Verschwinden dieses historisch sehr wertvollen Gebäudes ein Stück Nußlocher Geschichte für immer verloren gegangen ist. Zum Glück existieren in Privatarchiven noch einige Fotos, die bei alten Nußlochern die Erinnerungen an dieses einst schmucke Haus wieder aufleben lassen.
 

Heimatmuseum

Schon seit vielen Jahren beschäftigen sich Frauen und Männer des Heimatvereins damit, unter dem Gesichtspunkt einer möglichst vollständigen Sichtbarmachung und Erklärung des heimatlichen Volksgutes Dinge zu sammeln, zu ordnen und ihren inneren Zusammenhang zu ergründen. Eigentlich muss man bedauern, dass diese Sammeltätigkeit nicht schon viel früher begann und nicht gründlicher durchgeführt wurde.
Denn es bestehen heute, nachdem schon so zahlreiches wertvolles heimatliches Gut verloren gegangen und abhanden gekommen ist, viele Lücken, die man, - sofern die Möglichkeit dazu besteht – durch das Studium literarischer Quellen auszufüllen sucht.
Insbesondere bei uns auf dem Lande lässt sich wertvolles Material sammeln und lassen sich bedeutende Beobachtungen machen, denn gerade der Bauer ist und war es, der das heimatliche Kulturgut sammelt(e) und bewahrt(e) und der vieles -anderswo bereits längst Vergessenes – auch heute noch pflegt und lebendig erhält.
Eine der wesentlichen Aufgaben eines Heimatmuseums in Nußloch wird einmal darin bestehen, unsere Sitten und Gebräuche des alltäglichen Lebens und der festlichen Zeiten des Jahres aufzuzeigen.  Denn gerade hier hat sich bis auf den heutigen Tag viel Altes erhalten, was einen wertvollen Einblick in die Gepflogenheiten und in das Brauchtum unserer Vorfahren gewährt.
Selbstverständlich kann jedes Museum dieser Art nur einen Überblick vermitteln und den Interessierten nur die wesentlichen Gebiete der Heimatkunde nahebringen.
Damit soll jedoch vor allem auf unsere Jugend ein Anreiz ausgeübt werden dem auch heute noch vorhandenen volkskundlichen Gut ihrer Heimat nachzuspüren. Hierdurch wird eine wichtige Aufgabe der Erziehung tatkräftig unterstützt, indem der junge Mensch lernt, Land und Menschen, Geschichte und Brauchtum seiner Heimat zu kennen und damit zu begreifen.
Im Gegensatz zur örtlichen politischen Meinung hat die Landesregierung von Baden-Württemberg vor einigen Jahren aufgrund einer Großen Anfrage der CDU – Land-tagsfraktion den Standpunkt vertreten, dass Brauchtum und Traditionspflege wesent-liche Voraussetzungen dafür sind, die Identifikation der Menschen mit ihrer jeweiligen regionalen Heimat zu entwickeln und zu stärken.
Der Pflege von Brauchtum und heimatlicher Tradition kommt in Staat und Gesellschaft  eine große Bedeutung zu. Noch in den 60er und 70er Jahren galten Begriffe wie Brauchtum und Heimat als weltfern, altmodisch und überholt. Heute hat sich das Bild gewandelt. Die Akzeptanz für eine bewusste Traditionspflege in unserer Gesellschaft ist vorhanden. Heimatmuseen und Kulturdenkmäler rücken wieder in das Bewusstsein unserer Bevölkerung. Auch in den Schulen sind die Aspekte der Heimatverbundenheit wieder Inhalt der Lehrpläne.
Deshalb stellt sich der Heimatverein dieser Aufgabe. Wir wollen alles versuchen ein solches Heimatmuseum in Nußloch zu verwirklichen, zur Zeit laufen Gespräche in verschiedenste Richtungen. Dass es nicht leicht wird, ist uns klar, aber wir geben die Hoffnung nicht auf: Eines Tages werden wir der Nußlocher Bevölkerung und ihren Gästen unsere gesammelten Erinnerungsstücke in einem eigenen Heimatmuseum präsentieren.
 

Splitter

aus Berichten und Protokollen des „Verkehrsvereins Nußloch“ nach der Gründung am 27.März 1950.

Bericht vom 08.12.1952
„Im Verlauf des Abends nahm der Verein Stellung zur Verschandelung der Ortsstraßen durch Bekleben der Hoftore mit Plakaten und Benageln der Häuser mit Reklameschildern. Selbst die Weinbergzäune entlang der Straße nach Wiesloch sind durch Anbringen zahlreicher Reklameschilder verunziert. In der Nähe gastierenden Zirkussen wird künftig die Aufstellung einer Plakatwand auf dem Lindenplatz empfohlen, die nach Gebrauch wieder beseitigt wird“

Bericht vom 16.04.1952 Heidelberger Tageblatt
„Vorsitzender Georg Winter regte weiter an, dass sich die interessierte Geschäftswelt zusammenfinden möge, um eine gemeinsame Werbung für unsere schön gelegene Gemeinde durchzuführen. Da schon wiederholt Omnibusgesellschaften den Wunsch äußerten, hier zu übernachten, wird der Verkehrsverein an die Einwohnerschaft die Bitte richten, jeweils für eine Nacht freizumachende Betten gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen.
Eine lebhafte Aussprache entwickelte sich beim Thema Ortsverschönerung. Den Bewohnern soll nahegelegt werden, ihre Fenster mit Blumen zu schmücken, um dadurch das Ortsbild noch netter zu gestalten.
Nicht zuletzt soll auch die Jugend dazu erzogen werden, die öffentlichen Einrich-tungen, die zur Verschönerung des Ortes dienen, zu schützen und zu pflegen. Bisher konnte nur das Gegenteil festgestellt werden.“

Bericht Heidelberger Tageblatt vom 17.07.1953
„Nußlocher Zwetschgenfest am 30. August
„Im Festzelt wird am Samstagabend eine Modenschau hiesiger Schneiderinnen veranstaltet werden, deren Organisation in den Händen von Frau Marie Müller-Schäfer liegt. Da hier noch keine Modenschau stattgefunden hat, begegnet das Verfahren schon jetzt lebhaftem Interesse.“

Bericht Heidelberger Tageblatt vom 25.08.1953
„ Das Nußlocher Zwetschgenfest steht vor der Tür! ....Es ist schade, dass unser heimatliches Fest teilweise mit dem Wieslocher Winzerfest zusammenfällt. Daran lässt sich aber von uns aus nichts ändern. Jedenfalls: Das Zwetschgenfest ist u n s e r  Fest und wir wissen alle, was wir ihm als Nußlocher schuldig sind!“

Bericht Heidelberger Tageblatt vom 18.04.1957
„Weiter wurde von den Straßenbahnverhältnissen gesprochen, die sich besonders für Nußloch mißlich auswirken. Wenn die Straßenbahn alle 24 Minuten in Wiesloch abfährt, sind alle Wagen leer und die Wieslocher können die Sitzplätze belegen. Die Nußlocher müssen dann meistens mit Stehplätzen vorlieb nehmen.  Für Leimen ist es nicht so schlimm, da von hier aus alle 12 Minuten ein Zug abgeht. Dem Übelstand in Nußloch könnte durch die Einlage eines Omnibusverkehrs alle 24 Minuten zwischen den Straßenbahnverkehrszeiten abgeholfen werden.“

Bericht Nußlocher Rathaus-Rundschau vom 25.06.1965
„Die Jahreshauptversammlung beschloß einmütig, den Monatsbeitrag von 50 Pfg. für Einzelmitglieder und 75 Pfg. für Firmen nicht zu erhöhen. Von der korporativen Mitgliedschaft beim Heimatverein haben noch nicht alle Nußlocher Vereine Gebrauch gemacht."

 

Aus der Geschichte Nußlochs

Der Gemarkungsraum von Nußloch weist schon sehr lange vor unserer Zeitrechnung Siedlungstätigkeiten von Menschen aus, wie Ausgrabungen bekunden. Ein Keltenstamm der „ Nuithonen“ soll es laut einer mittelalterlichen Aufzeichnung gewesen sein, der bis zum Eintreffen der Römer um das Jahr 68 v. Chr. erste größere Kulturarbeit in diesem Raum geleistet hat, indem er u.a. auch Bergbautätigkeiten entwickelte, um an das silberhaltige Gesteinsmaterial im Bereich Wilhelmsberg zu gelangen. Die Römer führten den Bergbau mit neuen Techniken fort, wohnten auch in begrenztem Umfang hier ( Villa rustica in Niederungsgebiet und erste befestigte Anlage auf dem Gickelsberg  - damals Gäuberg genannt), außerdem schlossen sie den Ort an ihr Straßensystem  der „Strata montana“ an.  Zwischen 238 und 241 n. Chr. soll es danach heftige Kämpfe gegeben haben, wobei der ursprüngliche Keltenstamm die Römer endgültig zur linksrheinischen Seite zurückgeschlagen hat. Das offizielle Geburtsdatum von Nußloch war der 31.12.766. Dieses Datum resultiert aus einer Schenkungsurkunde. Ein gläubiges Ehepaar hatte damals aus seinem Nußlocher Besitz an das Kloster Lorsch einen Weinberg für „ewig“ übergeben und dies wurde „buchhalterisch“ genau erfasst. Nach mehrfachem Wechsel der Herrschaftsverhältnisse im Mittelalter kam der Ort ab dem 6.5.1259 zur Pfalzgrafschaft bei Rhein.

Und heute:

Der Gemarkungsraum von Nußloch weist schon sehr lange vor unserer Zeitrechnung Siedlungstätigkeiten von Menschen aus, wie Ausgrabungen bekunden. Ein Keltenstamm der „ Nuithonen“ soll es laut einer mittelalterlichen Aufzeichnung gewesen sein, der bis zum Eintreffen der Römer um das Jahr 68 v. Chr. erste größere Kulturarbeit in diesem Raum geleistet hat, indem er u.a. auch Bergbautätigkeiten entwickelte, um an das silberhaltige Gesteinsmaterial im Bereich Wilhelmsberg zu gelangen. Die Römer führten den Bergbau mit neuen Techniken fort, wohnten auch in begrenztem Umfang hier ( Villa rustica in Niederungsgebiet und erste befestigte Anlage auf dem Gickelsberg  - damals Gäuberg genannt), außerdem schlossen sie den Ort an ihr Straßensystem  der „Strata montana“ an.  Zwischen 238 und 241 n. Chr. soll es danach heftige Kämpfe gegeben haben, wobei der ursprüngliche Keltenstamm die Römer endgültig zur linksrheinischen Seite zurückgeschlagen hat. Das offizielle Geburtsdatum von Nußloch war der 31.12.766. Dieses Datum resultiert aus einer Schenkungsurkunde. Ein gläubiges Ehepaar hatte damals aus seinem Nußlocher Besitz an das Kloster Lorsch einen Weinberg für „ewig“ übergeben und dies wurde „buchhalterisch“ genau erfasst. Nach mehrfachem Wechsel der Herrschaftsverhältnisse im Mittelalter kam der Ort ab dem 6.5.1259 zur Pfalzgrafschaft bei Rhein.Und heute:

Die Gemeinde Nußloch stellt sich heute – und hierzu zählt selbstverständlich auch  der Ortsteil - Weiler  Maisbach -  mit fast 10.500 Einwohnern  im stadtnahen Bereich von Heidelberg und Wiesloch als moderne, aufgeschlossene Wohngemeinde vor. Für Familie, Sport, Freizeit und Kultur bestehen hervorragende Einrichtungen. Vielfältig wie der geologische Aufbau ist auch das Landschaftsbild. Eingebettet zwischen Odenwald, Kraichgau und dem Oberrheintal, ausgestattet mit dem sehr günstigen Klima der südlichen Bergstraße, beschert dies eine üppige Flora und Fauna, die zum Teil mediterrane Züge trägt. Behutsamer und bewusster Planung ist es zu verdanken, dass der geschlossene Grüngürtel um den Ortsetter herum die Gemarkung auszeichnet.  Ein gut ausgebautes Wegenetz sowohl im Niederungsgebiet als auch im dichtbewaldeten Höhengebiet lädt Spaziergänger, Wanderer und Erholungssuchende zu ausgedehnten Erkundungen ein.

 

Ehrenmitglieder

(alphabetischer Reihenfolge Stand 20.11.1999)

Anweiler, Anna
Ballmann, Jean   +
Bartenstein, Kätchen  +
Baust, Friedrich  +
Beichel, Edmund  +
Bennemann, Margarethe  +
Bersch, Anna
Erles Gretchen  +
Feil, Hans
Feurer, Karl  +
Filsinger, Hildegard
Gehrig, Karl  +
Grimm, Berta
Hald, Josef
Hartmann, Luzia
Heinzerling, Karl  +
Hillenbrand, Josef  +
Hügle, Paul
Knerr Dr., Karl
Link, Josef  +
Nitsche, Gerhard
Pallmann Eva  +
Pasquini, Maria-Theresia
Quaty, Helene
Rensch, Ernst
Rensch Heinrich
Ring von Bettendorff, Gertrud  +
Roos-Vollmert, Maria  +
Roth, August  +
Sattler, Emil  +
Scheerer , Marie
Schröder, Frieda  +
Schweickert, Friedrich  +
Seifert, Johanna
Sickmüller Emil
Stainczyk, Guido  +
Stauch, Elisabeth  +
Stumpf, Heinrich
Waldi, Karl  +
Winter, Adam
Winter, Bianka
Winter, Heinrich  +
Winter, Mina  +
Zehner, Karl

Wegen herausragender Verdienste um den Heimatverein wurden

Herbert Böhm für 30jähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender im Jahre 1995 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. 
Des weiteren wurde Oscar W. Sickmüller für 34jähriger Tätigkeit als Schriftführer im Jahre 1999 zum Ehrenschriftführer ernannt.

 

Die geschäftsführende Vorstandschaft des Heimatvereins

(seit der Gründung am 27.03.1950)

27.03.1950 1. Vorsitzender Hellmuth Frey
  2. Vorsitzender Jakob Heibel
  Schriftführer Guido Stainczyk
  Kassier Franz Henneböhl
ab 1952 1. Vorsitzender Georg Winter
  2. Vorsitzender Heinz Bennemann 
  Schriftführer Kurt Rensch
  Kassier Wilhelm Hettinger
ab 1965 1. Vorsitzender Herbert Böhm
  2. Vorsitzender Heinz Bennemann
Ewald Siegel
  Schriftführer Oscar W. Sickmüller
  Kassier Karl Heinzerling
  ab 1977 Klaus Wipfler
ab 1995 1. Vorsitzender Ulrich Hermes
  2. Vorsitzender Wolfgang Schneider
  Schriftführer Oscar W. Sickmüller
  Kassier Klaus Wipfler
ab 1999 1. Vorsitzender Klaus Wipfler
  2. Vorsitzender Dietmar Sturm
  Schriftführer Dieter Niedermayer
  Kassier Christel Hopf
ab 2001 1. Vorsitzender Klaus Wipfler
  2. Vorsitzender Dietmar Sturm
  Schriftführer Helga Zwick
  Kassier Christel Hopf

 ab 2003

1. Vorsitzender Klaus Wipfler
  2. Vorsitzender Thomas Baumann
  Schriftführer NN
  Kassier Christel Hopf
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